Karpatendeutsche in der Slowakei

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Karpatendeutsche in der Slowakei

06. 02. 2018 15:27

Der Karpatendeutsche Verein: Interview mit Dr. Ondrej Pöss

In der Slowakei gibt es eine wirklich kleine Minderheit: Deutsche Siedler kamen vom 12. bis zum 15. Jahrhundert in die Slowakei, in zahlreichen Orten stellten sie sogar die Bevölkerungsmehrheit. Doch 1918, nach dem Ersten Weltkrieg, veränderte sich die Situation, denn mit der Erhebung Pressburgs zur Landeshauptstadt und dem Zustrom von Slowaken wurden die Karpatendeutschen zu einer Minderheit. Während des Zweiten Weltkriegs mit seinen von Deutschland ausgehenden Gräueln verließen viele Deutsche teils freiwillig, teils gezwungenermaßen ihre bisherige slowakische Heimat. 1945 wurde ihnen wie auch den Sudetendeutschen in Tschechien und den Ungarn in der Südslowakei durch das Beneš-Dekret Nr. 33 die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit aberkannt. Die heute in der Slowakei lebenden Deutschen genießen seit der samtenen Revolution sämtliche bürgerlichen und politischen Rechte. RSI sprach mit Dr. Ondrej Pöss, Vorsitzender des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei und Direktor des Karpatendeutschen Museums am SNM in Bratislava, über Traditionspflege und Modernisierung.

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Zeitschrift und Onlineportal für die deutsche Minderheit

Das Karpatenblatt, die Zeitschrift und das Onlineportal für die Karpatendeutschen in der Slowakei wird seit 1992 vom Karpatendeutschen Verein mit Unterstützung des Regierungsamtes der Slowakischen Republik herausgegeben. Auf der Webseite www.karpatenblatt.sk hat man Zugriff auf ein fast vollständiges Archiv der inzwischen mehr als 300 Ausgaben. Dabei fällt auf, dass sich das Heft gestalterisch und inhaltlich gerade in den letzten 3 Jahren stark gewandelt hat. Nur die etwas altväterliche Titelzeile in Frakturschrift war noch bis vor kurzem ein Überbleibsel aus der Zeit der Gründung, wie mir Chefredakteurin Katrin Litschko bei unserem Treffen in ihrem Bratislavaer Lieblingscafé verriet. Doch seit der Januarausgabe 2018 ist nun alles modern und frisch, und immer neue Projekte für und mit jungen Leuten werden entwickelt.

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Bratislava. Pressburg. Spaziergänge mit Karpatendeutschen

Germanistik-Studenten der Komenius-Universität in Bratislava haben sich auf die Suche nach persönlichen Geschichten der Karpatendeutschen in der slowakischen Hauptstadt begeben. Sie hörten sich die Erzählungen der alten Pressburger an und verarbeiteten sie literarisch. Die Geschichten, Gedichte und Videos mit Reaktionen der Karpatendeutschen kann man sich über die Webseite des Karpatenblattes direkt an den Orten der Erzählungen anhören, denn dort findet sich auch ein Stadtplan mit den gekennzeichneten Orten. Die Studenten trafen sich mit Karpatendeutschen, die in Pressburg leben und ließen sich eine persönliche Geschichte über einen Ort dieser Stadt erzählen. Im Kurs „Kreatives Schreiben“ verarbeiteten sie die Erzählungen dann literarisch. Das Projekt leiteten Eva Schörkhuber und Katrin Litschko. RSI bekam dankenswerter Weise die Möglichkeit, die Tonaufnahmen musikalisch aufzubereiten und in den Magazinsendungen „Die Slowakei hautnah“ zu veröffentlichen.

Die Tolstého-Straße

Wie war es eigentlich, vor dem Zweiten Weltkrieg zur Schule zu gehen? Gab es extra Bildungseinrichtungen für Deutsche? Und wie hat der Krieg das Leben junger Menschen verändert? Lucia Moravčíková, Marta Lukášová und Lenka Stehlíkov fanden dies im Gespräch mit Professor Otto Sobek, dem KDV-Vorsitzenden der Region Pressburg, heraus. Hören Sie hier den Text, der nach dem Treffen entstand - es liest Katrin Litschko. Mit Musik von Johann Nepomuk Hummel.

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Dieses Podcast-Projekt wird im Verlauf des Jahres 2018 fortgesetzt.


Kay Zeisberg, Foto: Karpatenblatt

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