Experten gegen weitere Abholzung der Bergwälder

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Experten gegen weitere Abholzung der Bergwälder

11. 09. 2017 13:02

Die Slowakei gehört zu den waldreichsten Ländern der Europäischen Union. Aus der letzten Waldinventur von 2007 geht hervor, dass der Waldanteil 44,3 % der Staatsfläche beträgt. Allerdings befürchten Fachleute und Nichtregierungsorganisationen, dass nunmehr die fortschreitende Abholzung die Waldbiotope der Slowakei langfristig beschädigen könnte. Das Problem bestehe darin, dass auch in etlichen Schutzgebieten gerodet wird. Die Förster wie auch das zuständige Landwirtschaftsministerium argumentieren damit, dass diese Eingriffe notwendig seien, um die Folgen von Windbruch und Borkenkäferbefall zu beseitigen oder abzumildern. Viele Experten, darunter auch vom Botanischen Garten der Comenius-Universität in Blatnica, weisen jedoch darauf hin, dass viele geschützte Lebewesen wie zum Beispiel das bedrohte Auerhuhn möglichst naturbelassene und weitläufige Lebensräume benötigen.

Das Landwirtschaftsministerium räumt ein, dass in den letzten Jahren fortdauernd außerplanmäßig viel Holz - nämlich bis zu 2 Millionen Kubikmetern zusätzlich - gewonnen wird, welches zudem das Land als unverarbeiteter Rohstoff verlässt. Aus diesem Grund unterzeichneten mehr als 150 Fachleute die Petition „Stoppt die Abholzung der Bergwälder", in der sie die Regierung auffordern, geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Unterzeichner beklagen, dass die Wälder in den slowakischen Nationalparks und sogar in den von der UNESCO anerkannten Buchen-Urwaldbeständen lediglich auf dem Papier geschützt seien.

Der Direktor des Instituts für Umweltpolitik am Umweltministerium, Martin Haluš, meint, dass ein öffentliches Register mit Rodungsbewilligungen, wie es beispielsweise mit Erfolg in Bulgarien existiert, Abhilfe schaffen könnte: „Dadurch wäre es endlich möglich, die ewigen Kontroversen darüber, ob es bei uns mehr oder weniger Wald gibt, zu überwinden, da man stets konkrete Waldeinheiten miteinander vergleichen könnte. Zudem könnte somit die illegale Holzgewinnung minimiert werden, da sich die Menschen gegenseitig kontrollieren würden."

Das Landwirtschaftsministerium widerspricht dem mit der Behauptung, dass es nicht gesetzeskonform sei, empfindliche Daten einzelner Privatunternehmen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings sollen demnächst Gespräche mit dem Umweltministerium über einen Austausch ausgewählter Daten stattfinden.

Quelle: RTVS, TASR

Kay Zeisberg, Foto: TASR

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