Blick in die Vergangenheit durch archäologische App

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Blick in die Vergangenheit durch archäologische App

07. 11. 2018 13:34

Experten des Instituts für Archäologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (SAV) in Nitra arbeiten an einer neuen App. Diese soll es ermöglichen, auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons oder Tablets zu sehen, wie Sehenswürdigkeiten, Kirchen oder Festungen in der Vergangenheit ausgesehen haben. Es handelt sich um ein internationales Projekt der virtuellen Archäologie, an dem sich neben den slowakischen Wissenschaftlern auch Spezialisten aus Deutschland, Österreich, Polen, Italien, Kroatien und der Tschechischen Republik beteiligen. Ziel des Projektes ist unter anderem die Entwicklung von Applikationen, die die virtuelle Rekonstruktion von Sehenswürdigkeiten und der gesamten Landschaft der Vorzeit ermöglichen. Die Apps werden nicht nur Wissenschaftlern helfen, sondern auch der Öffentlichkeit neue Möglichkeiten bei der Erfahrung von Geschichte bringen. Der Archäologe Peter Bednár:

"Bei der Vermittlung der Vergangenheit waren wir bisher nur auf die Präsentation einzelner Exponate, auf eine Beschreibung oder auf Bilder beschränkt. Die virtuelle Rekonstruktion wird es nun ermöglichen, Besucher auf spannende Weise zu einem bestimmten Fund oder einer bestimmten Architektur direkt in die historische Realität zu bringen und ihm zu veranschaulichen, wie ein Objekt verwendet wurde oder wie ein Ort in der Vergangenheit ausgesehen haben könnte."

In Tschechien gelang es auf diese Weise, alte landwirtschaftliche Siedlungsformen in Bylany bei Kutná Hora zu rekonstruieren. Laut Jiří Unger von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sei dieser Ort in der heutigen Landschaft nicht mehr erkennbar. Dank der App könnten jedoch die Besucher auf dem Handy-Display sehen, wie das Land in der frühen Steinzeit aussah.

Die slowakische App sollte nächstes Jahr fertig werden. In der ersten Phase werden sie die Benutzer in Nitra ausprobieren können. Geht es nach dem Direktor des Archäologischen Instituts der SAV in Nitra, Matej Ruttkay, soll die App in erster Linie besondere archäologische Funde der Öffentlichkeit auf eine interessante Weise näherbringen. Er sagt:

"In der Slowakei bearbeiten wir jetzt die Burg Nitra sowie die Stadt Nitra. Konkret handelt es sich um die virtuelle Form der St. Martinskirche auf dem Martinsberg, dann eine romanische Kirche auf der Burg Nitra, die heute nicht klar erkennbar ist, aber auch das gotische Eingangstor zur Burg und das Kloster Zobor mit der St. Josef-Kirche. Funktionieren wird es so, dass man sich auf dem Handy die heutige Form eines Denkmals anschaut und dank der App zugleich sehen wird, wie es zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt ausgesehen hatte."

Laut Ruttkay zählten die slowakischen und tschechischen Experten im Bereich der virtuellen Archäologie zur europäischen Spitze. Dank ihnen seien die Bedingungen im Archäologischen Institut in Nitra gut, meint Ruttkay.

"Wir haben bereits hunderte Denkmäler und tausende Gegenstände digitalisiert. Wir verfügen auch über Digitalisierungen archäologischer Forschungen, aus denen Rekonstruktionen gemacht werden. Von diesen macht man dann Visualisierungen, sei es in Form von virtueller Realität oder einer erweiterten Realität, die wir auch bei der Kirche auf dem Martinsberg verwenden werden. Dort wird man die Fundamente der Kirche sehen können, und wenn man sie sich auf dem Handy oder Tablet anschaut, wird man sehen, wie die Kirche in der Zeit des Großmährischen Reiches aussah."

Dank erfolgreicher Projekte, die von der EU finanziert wurden, ist die aktuelle Ausstattung slowakischer Archäologen auf Spitzenniveau. Da sich jedoch die Technologien extrem schnell entwickeln, müsse die Ausstattung laut Ruttkay öfter erneuert werden. Doch dazu fehle es dem Institut an Geld. Für Ruttkay wäre es schade, wenn dadurch die erzielten Fortschritte gestoppt würden.

Quelle: TASR


Ľubica Tvarožková, Foto: Flickr.com/CAFNR

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