Krankenpflege in Österreich als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

Tagesthema

Krankenpflege in Österreich als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

11. 01. 2019 12:47

In Österreich zu arbeiten werde schon lange nicht mehr nur als gute Verdienstmöglichkeit wahrgenommen, sondern eher als ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Aufgrund einer langjährigen Untersuchung der slowakischen Pflegerinnen in Österreich wies darauf Miloslav Bahna vom Soziologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften hin. Ihm zufolge seien die meisten Pflegerinnen mit ihrer Arbeit zufrieden. Dabei verdienen sie mehr, als sie für eine ähnliche Arbeit in der Slowakei bekommen würden. Zugleich gewinnen sie neue Erfahrungen, lernen das Leben in einem anderen Land kennen und können die Fremdsprache besser erlernen, sagt Martina Sekulová vom Institut für Ethnologie und soziale Anthropologie der Akademie.

Die Pflegerinnen fahren meistens für zweiwöchige Turnusse nach Österreich, wonach sie zwei Wochen zu Hause verbringen. Laut Sekulová schätzen die Frauen diese Aufteilung der Arbeitszeit hoch, da sie so ihre Arbeit mit dem Privatleben in Einklang bringen können. Bei der Untersuchung wurden Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Frauen entdeckt. Die Erstgenannten bedauerten, dass sie für zwei Wochen von ihren Kindern getrennt sind. Ihre älteren Kolleginnen gaben hingegen an, dass sie dann das Zusammensein mit ihrem Lebenspartner mehr schätzen. Manche beendeten sogar ihre nicht funktionierende Ehe, da sie wirtschaftlich selbständig wurden.

Während im Jahr 2011 die meisten Pflegerinnen aus der Westslowakei kamen, wandelte sich die Situation 2016. In diesem Jahr gab es in Österreich am meisten ostslowakische Pflegerinnen, die Westslowakei blieb hingegen am Ende der Tabelle. Ebenso arbeiten auf diese Weise heute mehr Frauen, die vorher arbeitslos waren. Bahna zufolge deutet dies an, dass diese Verdienstmöglichkeit bei Slowakinnen nach und nach weniger attraktiv werde. Eine langfristige Krankenpflege beeinflusst auch den Gesundheitszustand, da es um eine körperlich anspruchsvolle Arbeit geht. Die meisten Pflegerinnen, die in die Untersuchung miteinbezogen wurden, stammen aus den Regionen mit einer hohen Arbeitslosenrate oder sind in einem Alter, in dem die Arbeitssuche schwierig ist. Ihr Nettoeinkommen in Österreich belief sich 2016 auf durchschnittlich 840 Euro. Infolge der Entwicklung auf dem slowakischen Arbeitsmarkt werde für die Slowakinnen diese Entlohnung immer weniger attraktiv. Viele Pflegerinnen seien aber mit ihrer Arbeit zufrieden und führen sie bis in die Rente aus, stellt Miloslav Bahna fest. Auch Rentnerinnen mit einer niedrigen Rente verbessern auf diese Weise ihre Finanzlage. Knapp fünf Prozent unter den slowakischen Pflegekräften machen Männer aus. Die Untersuchung führte die Slowakische Akademie der Wissenschaften von 2011 bis 2017 durch.


Quelle: TASR


Jana Hrbeková, Foto: TASR

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