Plagiatsvorwürfe: Parlamentspräsident Kollár am Zug

Plagiatsvorwürfe: Parlamentspräsident Kollár am Zug

Parlamentspräsident Boris Kollár (Sme rodina) steht unter Plagiatsverdacht im Zusammenhang mit seiner 2015 verfassten Diplomarbeit. Er bestreitet die Vorwürfe und verwies auf eine Kontrolle der Originalität des Werkes, die eine Übereinstimmung von rund 24 Prozent zeigt.

Diese Kontrolle habe keine Aussagekraft, meint Marek Števček, der Rektor der Comenius-Universität in Bratislava. Das endgültige Wort habe immer die Prüfungskommission.

Boris Kollár hat einen Teil der Arbeit abgeschrieben, ohne die verwendeten Quellen zu erwähnen - darunter Websites und insbesondere eine Arbeit des Rektors der Mitteleuropäischen Hochschule in Skalica, Jozef Minďaš. Boris Kollár erklärte: „Ich respektiere seine Meinungen, mit vielen seinen Ansichten stimme ich überein. Es ist also normal."

Der Rektor der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava, Miroslav Fikar, reagierte: „Dies ist die Definition eines Plagiats. Wenn es dort Teile oder Absätze gibt, von denen man behauptet, sie seien seine eigenen. Und sie wurden in der Tat übernommen."

Die Rektoren von sieben slowakischen Hochschulen und der Chef der Slowakischen Akademie der Wissenschaften verurteilten das Verhalten des Parlamentspräsidenten. Boris Kollár bagatellisiere laut ihnen die Plagiate. Auch Studentenvertreter halten seine Erklärung für unzulänglich. Wie der Vorsitzende des Studentenrates der Hochschulen Filip Šuran sagte, sollte Kollár politische Verantwortung übernehmen.

Mit Plagiatsvorwürfen hatte sich vor zwei Jahren auch der damalige Parlamentschef Andrej Danko (SNS) auseinanderzusetzen. Damals wurde er unter anderem auch von Boris Kollár zum Rücktritt aufgefordert. Der Oppositionsabgeordnete Juraj Blanár von der Smer-SD meint dazu: „Wenn man in Betracht zieht, dass zur Zeit unserer Regierungskoalition viele wegen derartigen Verfehlungen kritisiert wurden, bin ich überzeugt, dass auch heute der gleiche Maßstab gelten sollte."

Premier Igor Matovič (OĽaNO) erklärte, dass er den Parlamentsvorsitzenden seinerseits nicht zum Rücktritt auffordern werde - Priorität habe das Funktionieren der Regierung. Der Wirtschaftsminister und Chef der Partei SaS Richard Sulík meint: „Es ist sicherlich nicht etwas, worauf er stolz sein kann. Wir sollten jedoch nicht zu schnell urteilen. Auch Andrej Danko hat viel Raum zur Erklärung bekommen. Lasst uns Boris Kollár genug Raum geben zu erläutern, wie es um die Dinge in der Tat steht."

Die Koalitionspartner stimmen jedoch darin überein, dass man Änderungen im Bildungssystem vornehmen müsse. Kabinettschef Matovič: „Wir werden die Hälfte der Hochschulen abschaffen, wie etwa die erfundenen Hochschulen von Skalica und Sládkovičovo. Wir werden ein Gesetz erlassen, das es ermöglicht, gesetzeswidrig erworbene Titel abzuerkennen."

Bildungsminister Branislav Gröhling (SaS) hat vor, die Regelung bis zum nächsten Jahr vorzubereiten.

Quelle: RTVS

Marika Antašová, Foto: TASR