Widerstandskämpferin Milada Horáková unvergessen

Tagesthema

Widerstandskämpferin Milada Horáková unvergessen

29. 06. 2020 13:50

Vor siebzig Jahren wurde die tschechoslowakische Politikerin, Widerstandskämpferin und Frauenrechtlerin Milada Horáková umgebracht. In einem kommunistischen Schauprozess in Prag wurde sie am 8. Juni 1950 wegen angeblicher Spionage und Hochverrats zum Tode verurteilt und am 27. Juni hingerichtet. Die Präsidentin der Slowakei, Zuzana Čaputová, gedachte am Samstag dieses Justizverbrechens der damaligen Tschechoslowakei und legte am Denkmal der Opfer des Kommunismus in Bratislava einen Kranz nieder. Bereits im Januar hatte sie Milada Horáková in memoriam mit dem Orden des Weißen Doppelkreuzes 1. Klasse geehrt. Präsidentin Čaputová am Samstag gegenüber den Medien: „Milada Horáková war eine herausragende Persönlichkeit - Frau, Mutter, Juristin - und eine Kämpferin für die Werte, an die sie geglaubt hat. Ihre Botschaft ist auch in der heutigen Zeit sehr wichtig, denn sie war ein Mensch, der uns zeigte, dass man für diese Werte, an die man glaubt, sehr viel opfern kann - sogar das eigene Leben."

In den 1920/30er Jahren engagierte sich Horáková in der Frauenbewegung. 1939 ging sie in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und arbeitete in mehreren Widerstandsgruppen. Bereits nach kurzer Zeit wurde sie von der Gestapo verhaftet. Sie verbrachte zwei Jahre im Gefängnis Pankrác und wurde im KZ Theresienstadt festgehalten. Anschließend wurde sie zu Zwangsarbeit in einer Munitionsanstalt in Leipzig verurteilt, kam später in eine Todeszelle nach Dresden, wurde jedoch 1945 von der US-Armee befreit. 1946 beteiligte sie sich federführend an der Wiederbelebung des tschechoslowakischen Frauenrates, zu dessen Vorsitzender sie gewählt wurde. Nach ihrer Befreiung lebte sie in Prag, wo sie sich gegen die Kommunistische Partei positionierte, sie trat für politischen Pluralismus ein und war Abgeordnete der sozialistischen ČSNS im tschechoslowakischen Parlament. Nach dem kommunistischen Umsturz vom Februar 1948 legte sie ihr Mandat nieder. Als Kritikerin des stalinistischen Regimes Klement Gottwalds musste sie erneut in den Untergrund gehen. Schließlich wurde sie verhaftet und zum Tode verurteilt. In dem Schauprozess zeigte sie sich absolut unbeugsam - sehr zum Missfallen der Machthaber, die den gefilmten Prozess nicht in den Kinos zeigen ließen, da die beabsichtigte abschreckende Wirkung völlig verfehlt gewesen wäre. Viele Persönlichkeiten setzten sich vergebens für ihre Begnadigung ein, darunter Albert Einstein oder Winston Churchill. Sie wurde am 27. Juni 1950 im Prager Gefängnis Pankrác erhängt. Im Sommer 1968, in der Endphase des Prager Frühlings, hob das höchste Gericht der ČSSR das Urteil postum auf. Zu einer vollständigen Rehabilitierung kam es aber erst 1990 nach der Samtenen Revolution.

Anfang des Jahres hatte das Staatstheater in der ostslowakischen Metropole Košice eine vielbeachtete Multigenre-Bühnenproduktion über Milada Horáková herausgebracht, die auch am Samstag aus Anlass des Todestages unter Schirmherrschaft von Präsidentin Zuzana Čaputová aufgeführt wurde. Regisseur und Choreograf Ondrej Šoth gegenüber RTVS: „Diese Inszenierung ist eine Botschaft nicht nur für junge Menschen, sondern auch für ältere, dass wir die Fehler der Geschichte nicht wiederholen, die Traditionen kennen und die Werte schätzen."

Das Theaterprojekt ist der Tochter von Milada Horáková gewidmet. Die hatte an die damals 16-jährige Jana einen Abschiedsbrief geschrieben, den diese erst nach vierzig Jahren, nämlich nach der politischen Wende lesen durfte.

Quelle: RTVS, TASR

Kay Zeisberg, Foto: Česká televize

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