Ehemalige Tennisspielerin bei Covid-19-Impfung bevorzugt

Ehemalige Tennisspielerin bei Covid-19-Impfung bevorzugt

So wie in vielen anderen Ländern soll in der Slowakei zuerst das Gesundheitspersonal sowie die Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur gegen Covid-19 geimpft werden. Tatsächlich erhielten jedoch auch Politiker bereits eine Impfung, darunter mehrere Staatssekretäre, was auf Kritik stößt. Diese wurde am Wochenende noch lauter, als die Tageszeitung Denník N darüber informierte, dass auch einige Prominente bei der Impfung bevorzugt werden. Die Opposition wirft außerdem der Regierung vor, intransparent zu agieren, denn es werde geheim gehalten, welche Berufe in diesem Fall zur kritischen Infrastruktur gezählt würden.

Am Freitag (8.1.2021) ließ sich etwa die ehemalige Tennisspielerin Dominika Cibulková zusammen mit ihrem Ehemann im Bratislavaer Universitätskrankenhaus gegen Covid-19 impfen. In sozialen Netzwerken wehrte sie sich gegen darauffolgende Kritik und teilte mit, dass sie im Krankenhaus lediglich eine nahestehende Person begleitet und bei der Impfung nur eine freie Stelle in der Warteliste belegt haben soll. Das Krankenhaus entschuldigte sich für den Vorfall und das Gesundheitsministerium betonte mittels dessen Presseabteilung, dass jegliche Bevorzugung prominenter Personen unzulässig sei. Die Tennisspielerin soll von einem Mitarbeiter des Impfzentrums in die Warteliste eingetragen worden sein, der laut Krankenhaus-Direktorin Renáta Vandriaková auf eigene Faust gehandelt haben soll. Das Gesundheitsressort sei mit der gegebenen Regelung zufrieden, werde aber nun die Einhaltung der Regeln strenger kontrollieren. Dass es zu keinem weiteren Missbrauch von Impfstoffen und keiner Bevorzugung mehr kommen sollte, hält die Fachöffentlichkeit für äußerst wichtig, darunter auch der Analytiker Martin Smatana: „Wenn man nun sämtliche über 80-Jährigen impfen würde, gäbe es um 40 Prozent weniger Tote. Wenn man dasselbe mit den unter 35-Jährigen machen würde, käme es nur zu einer fünfprozentigen Senkung der Sterblichkeit."

Bei den Impfstrategien agieren die europäischen Länder sehr ähnlich und wollen zuerst ältere Bürger und die Mitglieder der kritischen Infrastruktur impfen lassen, allerdings nicht immer in derselben Reihenfolge. In Deutschland sollen etwa Ältere über 80, Pflegeheimbewohner und bestimmtes Personal mit hohem Infektionsrisiko zuerst zum Zug kommen. In der Slowakei steht das Gesundheitspersonal ganz oben auf der Prioritätenliste und dies habe laut der Epidemiologin Zuzana Krištúfková einen klaren Grund: „Wir können uns nicht mit Deutschland vergleichen, denn wir wissen, was es für Schwachstellen in unserem Gesundheitswesen gibt. Ich bin sehr wohl damit einverstanden, dass bei uns in erster Linie das Gesundheitspersonal geimpft werden muss, sodass es zu keinem Kollaps der Pflege kommt."

Laut Kommentaren in den Tageszeitungen könne der Vorfall der Bevorzugung bei der Impfung zumindest einen positiven Nebeneffekt haben, und zwar, dass er die Covid-Impfung unter der Bevölkerung popularisiert.

Quelle: RTVS, Tageszeitung Denník N


Juraj Pavlovič, Foto: TASR