Levoča feiert 500. Jubiläum des Altars von Meister Paul

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Levoča feiert 500. Jubiläum des Altars von Meister Paul

19. 07. 2017 15:15

Das ganze Jahr 2017 ist dem 500. Jahrestag des Einbaus des Holzflügelaltars des Holzschnitzers Meister Paul von Levoča, auch Paul von Leutschau genannt, gewidmet. Er ist zweifelsohne der bekannteste Künstler der Spätgotik, der auf dem Gebiet der heutigen Slowakei wirkte. Sein Altar befindet sich in der Basilika St. Jakob. Die Feierlichkeiten zu diesem Jubiläum wurden nun in der historischen Stadt eröffnet.

Menschen in der ganzen Welt sollen wissen, dass sich hier der weltweit höchste gotische Altar befindet, meint der Oberbürgermeister von Levoča, Milan Majerský. Laut ihm war Levoča in der Vergangenheit eine reiche Stadt. „Vielleicht ist die Stadt heute nicht mehr reich an Finanzen, dafür aber an Kulturtraditionen und Denkmälern", sagte Majerský.

Ein Bestandteil der Feierlichkeiten ist eine Holzschnitt-Freilichtwerkstatt. In diese verwandelte sich der Platz vor dem Rathaus. Sechs Schnitzer arbeiten hier an einer Holz-Krippe, die die Stadt behalten wird. Adam Bakoš, einer der Künstler, sagte:

„Heutzutage schnitzen wir die Statuen völlig anders, als es Meister Paul getan hat. Er schuf sie manuell und verwendete dabei Stechbeitel. Wir benutzen Motorsägen, mit denen man 90 bis 95 Prozent der Statue schafft. In die früheren Arbeitsbedingungen können wir uns nicht hineinfühlen, das geht nicht. Damals fertigte man eine Statue nicht in zwei, drei Tagen - es dauerte Monate. Unsere Zeit ist halt so, dass man von uns will, früh morgens zu kommen, weil der Baumstamm da ist. Und abends soll die Statue fertig sein."

Der stellvertretende Oberbürgermeister von Levoča, Jozef Cvoliga, meint, Meister Paul war eine geheimnisvolle Gestalt. Er sagt:

„Man weiß tatsächlich nicht, wie er aussah, von wo er kam und wann er wegging. In den Archiven fand man einen Eintrag aus dem Jahr 1537 darüber, dass Meister Paul in Levoča weilte. Es ist nun eine Herausforderung für diese Stadt und vielleicht auch für das ganze Land, das Grab von Meister Paul zu suchen. Einige Archäologen meinen, er könnte in der Krypta der Basilika St. Jakob beigesetzt worden sein."

Laut Cvoliga war Meister Paul ein reicher Mann. Reich wurde er jedoch nicht nur mit der Holzschnitzerei, sondern auch vom Verkauf des Weines aus dem Bereich Tokaj. Cvoliga zufolge seien Paul von Leutschau und sein Werk in den Nachbarstaaten der Slowakei bekannt. In den deutschsprachigen Ländern sei dies aber nicht der Fall. Umgekehrt jedoch kennt man ihn in Übersee. In der Vergangenheit bekam nämlich die Stadt Levoča mehrere Angebote aus den USA und Kanada, den Altar des Meisters Paul käuflich zu erwerben. Die Einwohner von Levoča lehnten das aber ab, obwohl die Summe so groß war, dass man davon die ganze Festungsanlage der Stadt wiederherstellen könnte.

Im Rahmen der Feierlichkeiten, die ihren Höhepunkt am Samstag finden, präsentieren sich in Levoča auch andere Künstler, wie etwa Maler, Sänger und Schauspieler. Ein Ritterweg wird bestimmt eine Attraktion für Kinder sein.

Quelle: TASR

Ľubica Tvarožková Foto: TASR

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